Anfrage des Psychologisch-Pädagogischen Dienstes der Armee

Erhalten am 2. Juli 2003

Sehr geehrtes Kollektiv

Der Psychologisch-Pädagogische Dienst der Armee PPD befasst sich zur Zeit unter anderem mit einem Projekt das den Namen Aggression trägt. Worum geht es in diesem Projekt, werden Sie fragen, und was hat dieses Projekt mit Ihnen zu tun? Die Armee befindet sich im Wandel. Sie muss sich dem Wandel der Gesellschaft anpassen und versuchen im Rahmen ihres Auftrags auf deren Bedürfnisse einzugehen.

Das Projekt wurde vom PPD iniziiert und steht unter der Leitung des Chefs dieses Dienstzweigs. Ziel des Projekts ist es, ein Lehrmittel zu Gunsten der Angehörigen der Armee zu erstellen. Die Milizsoldaten, welche sich in der Lage finden, in subsidiären Einsätzen wie G8 oder WEF und ähnlichem eingesetzt zu werden, sollen mental auf solche Einsätze vorbereitet werden. Wenn wir den Begriff Milizsoldaten benutzen, dann meinen wir damit Privatleute, die einen solchen Einsatz leisten müssen, vielleicht ohne dies mit viel Motivation tun zu wollen, weil sie sich den Menschen im Demonstrationszug ebenfalls verbunden fühlen und deren Beweggründe und politische Ansichten u.U. sogar teilen. Diesen Soldaten wollen wir das Rüstzeug mitgeben, mit Konfliktsituationen und dem damit verbundenen Stress besser fertig zu werden, damit es nicht zur Eskalation kommt. Die Zielsetzung zeigt auf eine deeskalierende Haltung und Verständnis gegenüber konfliktträchtigen Situationen, wie sie zum Beispiel anlässlich von Demonstrationszügen leider häufig vorkommen.

Dazu bitten wir Sie um Ihre Mithilfe. Teil des Projekts Aggression ist es, Interviews mit Personen aus Armee und Polizeikorps durchzuführen, welche über ihre Erfahrungen mit Ordnungsdienst-Einsätzen und dem Umgang mit Aggressionen und Konfliktsituationen berichten. Uns ist aber wichtig, nicht nur die Kräfte auf der einen Seite zu Wort kommen zu lassen, sondern im Gegenzug auch die Meinung und die Erfahrungen der Gegenkraft einfliessen zu lassen. Unsere Absicht ist ausdrücklich ein Gleichgewichtsverhältnis zur gegenseitigen Verständigung zu schaffen, wo auch andere Meinungen als die der „Ordnungskräfte“ eine Plattform finden. Diese Interviews finden zum Teil nach einem für alle gleich bleibenden Frageschema statt. Ebenfalls steht Raum offen, um über persönliche Eindrücke zu sprechen.

Die Interviews werden auf Video aufgezeichnet und nach der Auswertung durch uns als Kurzsequenzen in die Präsentation einfliessen. Wir verfolgen das Ziel, prägnante Meinungen und Aussagen zu erhalten, um den Angehörigen der Armee eine praxisnahe Präsentation bieten zu können. Die Menschen, die sich bereit erklären, uns für eine gute Sache zur Verfügung zu stehen, müssen damit einverstanden sein, dass sie gefilmt werden und ihre Erklärungen in ein Lehrmittel der Armee einfliessen wird. Den Personen, die sich uns zur Verfügung stellen, um ihre Eindrücke zu schildern,sichern wir äusserste Diskretion zu.

Wir würden uns freuen, wenn Sie sich mit uns in Verbindung setzen würden, um Einzelheiten zu erläutern und offene Fragen zu beantworten. Möglicherweise sind Sie nicht der richtige Ansprechpartner für unser Anliegen. Dann wären wir erfreut, wenn Sie sich bereit erklären könnten, uns an die Antifa-Bewegung zu empfehlen. Auf Ihre wohlwollende Antwort hoffend verbleiben wir.

Psychologisch-Pädagogischer Dienst PPD
Projektleiter Aggression / PPD
Fachof Dominik Messerli & Michael Riesen
projekt_ppd@bluemail.ch

>>> Communiqué der IKuR, der Antifa Bern, der Anti-WTO Koordination Bern und Jugend gegen Krieg

 

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